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VORLÄUFIG NACHTRÄGLICHES
Ganz alltägliche Bilder – Schlimme und gute
Es geht also um visuelle Erscheinungen, die uns im Alltag mehr oder weniger beiläufig begegnen und die dennoch interpretationsfähig sind. Bruno Latour hat Kunstwerke als interpretationsfähige Objekte definiert. Ich möchte diese Bestimmung jedoch nicht auf Kunstwerke beziehen, sondern auf die „Bilder“, von denen hier die Rede ist: auch sie lassen sich als interpretationsfähige Objekte verstehen.

Kunstwerke hingegen möchte ich als interpretationsbedürftige Dinge bestimmen. Gerade weil sie sich keineswegs von selbst erschließen, verlangen sie nach einer deutenden Annäherung – zumindest dann, wenn man sich über sie verständigen will. Natürlich ist eine solche Verständigung nicht zwingend: Man kann sich auch mit einem unmittelbaren Empfinden begnügen, ohne den eigenen Gefühlen und Gedanken weiter nachzugehen.

Dieser implizite, appellative Charakter ist den Bildern, die ich hier erörtern möchte, jedoch gerade nicht eigen. Im Gegenteil: Sie geben sich so selbstverständlich, dass wir uns selten veranlasst sehen, ihnen auch nur einen einzigen Gedanken zuzuwenden.
 
Nationalmuseum Brukental, Sibiu 2007
Richard Schindler: Super Constellation XX